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Kombibahnhof für Stuttgart

Stuttgarter Sonderweg 

Weltweit ist es Standard, große Knotenbahnhöfe durch zusätzliche unterirdische Gleise zu ergänzen. Besonders gut ist dies beispielsweise am Züricher Hauptbahnhof gelungen.

In Stuttgart möchte man allerdings einen radikal anderen Weg gehen. Anstatt die vorhandene oberirdische Bahninfrastruktur durch eine unterirdische Durchgangsstation zu ergänzen, sollen der bestehende Hauptbahnhof einschließlich der Gäubahn-Zufahrt vollständig entfernt und durch einen wesentlich kleineren Bahnhof in der Tiefe ersetzt werden. Dieses ursprüngliche Konzept von Stuttgart 21 ist nicht in erster Linie aus bahnbetrieblichen Überlegungen entstanden, sondern hatte eine städtebauliche Motivation. Keine andere Stadt der Welt folgt Stuttgart mit diesem radikalen Ansatz. Auch in Deutschland wurden die weiteren geplanten 21er-Projekte wie München 21 und Frankfurt 21 storniert.

Für Stuttgart wäre die kompromisslose Umsetzung der alten S21-Planung fatal. Der nur achtgleisige S21-Tiefbahnhof ist für eine Stadt der Größe Stuttgarts deutlich zu klein und wäre ein betrieblicher Engpass. Dies bestätigte im September 2026 auch der S21-Stresstest-Gutachter Werner Stohler in einem vielbeachteten Interview. Für die Gäubahn würden diese Pläne die Kappung bedeuten.

Der Kombibahnhof zwischen Provisorium und Dauerlösung

Diese Fehlkonzeption kann nur repariert werden, indem die oberirdische Bahninfrastruktur möglichst vollständig erhalten, saniert und weiterbetrieben wird. S21 kann dazu als unterirdische Ergänzungsstation in Betrieb gehen. Gäubahn-Kappung und Pfaffensteigtunnel würden sich damit erübrigen.

Ein Kombibahnhofbetrieb in Stuttgart wurde schon früh vorgeschlagen. 2011 brachte S21-Schlichter Heiner Geißler (CDU) zusammen mit SMA-Chef Werner Stohler diesen Vorschlag ins Spiel. Im aktuellen fünfstufigen Inbetriebnahmekonzept der Deutschen Bahn für Stuttgart 21 ist ebenfalls ein Kombibahnhofbetrieb vorgesehen. Die Deutsche Bahn sieht den Kombibahnhof in Stuttgart allerdings nur als Provisorium für wenige Monate. Ziel der DB ist es, während des Kombibahnhofbetriebs ab 2031 Stück für Stück Verkehre vom Kopfbahnhof in den S21-Tiefbahnhof zu verlagern. Angesichts der zahlreichen kapazitativen und betrieblichen Engpässe von Stuttgart 21 geht das Pro Gäubahn Landesbündnis fest davon aus, dass der S21-Tiefbahnhof nicht alle Züge wird aufnehmen können. Es ist deshalb absehbar, dass das der als Provisorium gedachte Kombibahnhofbetrieb sich als Dauerlösung etablieren wird.

Das Pro Gäubahn Landesbündnis plädiert dafür, für den geplanten Kombibahnhofbetrieb jetzt schon Vorkehrungen zu treffen. Dazu gehört insbesondere die Sanierung der wegen S21 über Jahrzehnte vernachlässigten oberirdischen Bahninfrastruktur in Stuttgart. Darüber hinaus muss der zukünftige Kombibahnhofbetrieb möglichst fahrgastfreundlich mit kurzen Übergängen zwischen den unterschiedlichen Bahnhofsteilen gestaltet werden. Zur Vermeidung unnötig langer Wege („Fernwanderwege“) muss der S21-Tiefbahnhof zeitnah über die kürzestmögliche Verbindung zum Kopfbahnhof geöffnet werden. Eine Petition für einen dauerhaften Kombibahnhofbetrieb können Sie hier unterstützen.